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Künstler

Nonkonforme Kunst in der DDR 1949-1990
Weitere Kuenstler:
 
Gruppe KOLLEKTIV HERZOGSTRASSE (München): u.a. Hans-Matthaeus Bachmayer, Heiko Herrmann, Thomas Niggl, Helmut Sturm,


Georg Baselitz, Joseph Beuys, Eduardo Chillida, Francisco Farreras, HAP Grieshaber, Franz Hitzler, Osmar Osten, AR Penck, Helmut Rieger, HP Zimmer ...

Tip:
KLAUS HAEHNER-SPRINGMUEHL

umfangreicher Katalog


 

H I S T O R I E

1973
Gunar Barthel lernt die Kuenstler THOMAS RANFT und  DAGMAR RANFT-SCHINKE kennen.

1973-1978
Gunar Barthel studiert in Leipzig Germanistik und Literaturwissenschaft, faehrt oft nach Karl-Marx-Stadt zu seiner Mutter und zu den Veranstaltungen der Kuenstlergruppe und Produzentengalerie CLARA MOSCH in Adelsberg, der galerie oben, des Clubs der Intelligenz 'Pablo Neruda'.

Erste Beobachtungsberichte zu Gunar Barthel (kurz nach dem Studium in Leipzig). '...seine Wohung hat er verrueckt eingerichtet...an den Fenstern hat er keine Gardinen... der B. hat eine Mutter, sie macht einen flotten Eindruck...B. koennte ein Student sein oder ein Kuenstler, er sucht keinen Kontakt.... Er hat eine Schreibmaschine  und schreibt sehr viel. B. selbst hat verlauten lassen, dass er viel schreiben muesse... Aus Anlass von Staatsfeiertagen flaggte er nicht...' (Wohngebietsermittlung vom 27.12.1978 aus den STASI-Akten).

1976
Gunar Barthel lernt GREGOR-TORSTEN SCHADE kennen.

1977-1982
CLARA MOSCH (anagrammatische Zusammensetzung aus den Namen der Gruendungsmitglieder CARLFRIEDRICH CLAUS, THOMAS RANFT, MICHAEL MORGNER, GREGOR-TORSTEN SCHADE). Der Name ist Programm. 5 Individualisten finden sich für 5 Jahre zu einer Kuenstlergruppe mit eigener Produzentengalerie zusammen. Stilistisch gibt es keine Gemeinsamkeiten. Viel wichtiger ist, ein Gegengewicht zum staatlich reglementierten Kunstbetrieb zu schaffen. So zeigt man in der CLARA MOSCH nicht nur eigene Werke, sondern immer wieder Austellungen befreundeter Kuenstler: z.B. GERHARD ALTENBOURG, KLAUS HAEHNER-SPRINGMUEHL, MAX UHLIG.
THOMAS RANFT ist der wesentliche Promoter. Man produziert (die heute gesuchten) originalgrafischen Plakate (26), Kataloge (meist mit originalgrafischen Beigaben), Editionen (8 Einzelgrafiken und 6 Mappenwerke), sowie die legendaeren Postkarten von RALF-RAINER WASSE. Der Fotograf RALF-RAINER WASSE ist der wichtigste Dokumentarist der Gruppe, er schafft gleichzeitig ein hoechst eigenstaendiges Oevre, das einen wesentlichen Beitrag zur kuenstlerischen Fotografie in der DDR darstellt.

MOSCH-Karte
Fotomontage von RALF-RAINER WASSE: Zeichnung + Portraet von CARLFRIEDRICH CLAUS, Originalfotoabzug, Auflage 35, verso signiert von Claus + Wasse, 1982 (Archiv Renate Barthel).

1977
Gunar Barthel lernt KLAUS HAEHNER-SPRINGMUEHL kennen, Neruda-Club-Trommelaktion. '... ein Kuenstler geraet ausser Kontrolle, ein Saal geraet ausser Kontrolle, die Kontrolle geraet ausser Kontrolle' (Peter Guttmann).

1978
im November lernt Gunar Barthel CARLFRIEDRICH CLAUS kennen.

Die Intensitaet und Radikalitaet dieser beiden kuenstlerischen Existenzen beeindruckt so sehr, daß der Entschluß reift, nach dem Studium in diese damals '... so hochaktive kuenstlerische Unruheprovinz am Fußes des Erzgebirges vorzustossen.' (P.Guttmann)

1979
im April wird Gunar Barthel als Sekretaer der Genossenschaft Bildender Kuenstler KUNST DER ZEIT galerie oben eingestellt  (Vorstand u.a. Uwe Bullmann, Hans Brockhage, MICHAEL MORGNER, THOMAS RANFT, Dieter Netzker, Gerld Sippel, Ralph Siebenborn).
Die galerie oben ist eine der wenigen vom Staatlichen Kunsthandel der DDR oekonomisch unabhaengige, selbstverwaltete  Galerie (im Sinne einer Produzentengalerie), nur so kann sie die Ausstellungen, Kataloge und Mittwochveranstaltungen eigenverantwortlich finanzieren (allerdings benoetigen saemtliche Publikationen eine sog. 'Druckgenehmigung', die durch geschicktes Lavieren in den meisten Faellen auch erteilt wird). 

1980
Ausstellung mit GREGOR-TORSTEN SCHADE, (erstes Katalogheft der galerie oben)

Gunar Barthel oeffnet das Profil der galerie oben im Sinne eines Gesamtkunstwerkes für intermediaere, grenzueberschreitende Kunstformen. Durch Performances, Kunst- und Musikaktionen, Ausstellungen, Editionen, Publikationen, Auktionen, Kunstprojekte, Werkstatttage, Pleinairs, Symposien sowie die Mittwochsveranstaltungen (u.a. experimentelle Musik, Avantgardefilme, Theateraktionen) wird die galerie oben zu einem Forum nonkonformer Kunst in der DDR.

Die Kuenstlerliste wird erweitert. Erstmals werden Kataloge (mit beigelegter Vorzugsausgabe) herausgegeben, das Editionsprogramm wird erheblich ausgeweitet.

Die Mittwochveranstaltungen (jeden Mittwoch 19.30 Uhr, stark gekuerzte Auswahl):

Mail-Art Karte von Robert Rehfeldt

+++ 1979 CARLFRIEDRICH CLAUS +++ Uschi Bruening +++ 1980 KLAUS HAEHNER-SPRINGMUEHL +++ Valerij Scherstjanoi + Kubofuturismus +++ 1981 Rolf Staeck über KLAUS STAECK und eigene Arbeiten +++ Rudolf Mayer + HERMANN GLOECKNER +++ Experimentelle Filme von Robert Rehfeldt +++ Animationsfilme von Lutz Dammbeck +++ Glatzkopfaktion - Berghaeuslerabend mit THOMAS RANFT + GT KOZIK +++ 1982 Kunst als Produktivkraft - Aktion I, Hans-Joachim Schulze, Hartwig Ebersbach u.a. +++ Jazz in der Galerie: Uwe Kropinski + Conny Bauer +++ Ernst Ludwig Petrowski-Sextett +++ 1983 Experimentalfilme von STRAWALDE +++ Barbara Thalheim +++ Elke Erb +++ 1984 FINE + improvisierte Musik + Film +++ sa-um + visuelle Texte + Rudolf Mayer + CARLFRIEDRICH CLAUS + Alain Arias-Mission + Christian Dotrement + Ilse und Pierre Garnier + Arigo Lora Totino + Franz Mon + Shohachiro Takahashi + Poesie der russischen und sowjetischen Avantgarde von 1906 bis heute +++ 1985 STRAWALDE Film ueber HERMANN GLOECKNER +++ Experimentelle Poesie und Manifeste im russischen und italienischen Futurismus +++ Fotografie der 70er und 80er Jahre + Gabriele Muschter +++ Volker Braun +++ 1986 Kerstin Hensel + Barbara Koehler +++ MailArt - Robert Rehfeldt in Aktion +++ 1987 Franz Kafka +++ Konkrete Poesie und Lautpoesie von Jandl bis Huckauf + Valerij Scherstjanoi +++

1981
GERHARD ALTENBOURG - Arbeiten aus 3 Jahrzehnten, erster Katalog der galerie oben (mit Texten von Gerhard Altenbourg. Als Vorzugsausgabe entsteht die erste Kaltnadelradierung im Oevre, gedruckt von THOMAS RANFT, dieser fuehrt GERHARD ALTENBOURG in die Technik des Tiefdrucks ein. Zukuenftig werden alle Kaltnadelarbeiten von GERHARD ALTENBOURG in
enger Kooperation mit THOMAS RANFT realisiert.

GERHARD ALTENBOURG in der galerie oben, 1981, Foto: R.R.WASSE, signiert von Wasse und datiert 1981.

Ausbuergerung A.R.PENCKS (Gunar Barthel besucht zusammen mit THOMAS RANFT den Kuenstler).

Die Pleinairs
'Die Pleinairs wurden in den Jahren zwischen 1975 und 1987 organisiert. Die Pleinairs allerdings wurden weniger (wenn auch gelegentlich) zum Malen im Freien genutzt, sondern es waren kollektive Ereignisse von uebersprudelnder Spontanitaet. Die taeglich wechselnden Sieger der taeglich neuaufgelegten Redeschlachten hiessen GOESCHEL, HAEHNER-SPRINGMUEHL, MORGNER, RANFT, WEIDENSDORFER, UHLIG, VOLMER ... Der Teilnehmerkreis blieb im harten Kern derselbe.... An der Ostsee und in Thueringen wurden die Ideen für jene Provokationen ausgeheckt, die in Karl-Marx-Stadt und anderswo gezuendet wurden.'(G.Barthel)

An den nachfolgenden aufgefuehrten Pleinairs nahmen u.a. folgende Kuenstler teil:
Wolfgang E.Biedermann, Manfred Butzmann, Lutz Dammbeck, Dieter Goltzsche, EBERHARD GOESCHEL, KLAUS HAEHNER-SPRINGMUEHL, Wolfgang Leber, Harald Metzkes, MICHAEL MORGNER, Rolf Muenzer, Nuria Quevedo, THOMAS RANFT, DAGMAR RANFT-SCHINKE, Robert Rehfeldt, GREGOR-TORSTEN SCHADE, Wolfram Scheffler, KLAUS STAECK, Rolf Staek, MAX UHLIG, Hans Vent, STEFFEN VOLMER, RALF-RAINER WASSE, CLAUS WEIDENSDORFER, Werner Wittig:

1977 Leussow
1979 Gager/Ruegen
1981 Gallenthin
1982 Groß-Zicker/Ruegen
1983 Tabarz
1983 Gager/Ruegen

Aktion '180 Grad' mit MICHAEL MORGNER, Pleinair Gager 1983

1984 Wernigerode
1986 Kolkwitz bei Rudolstadt
1988 Juliusruh/Ruegen

Eine der wichtigsten Kunstaktionen von MICHEL MORGNER findet in Gallenthin statt: M. ueberschreitet See bei Gallenthin (Organisation und Realisation Gunar Barthel und Dr. Klaus Werner). Werner erhaelt aus der Staendigen Vertretung der BRD in der DDR eine der ersten tragbaren Videokameras und filmt die Kunstaktion von MORGNER. (Diese geschmuggelte Kamera ist einer der Gruende, weshalb Dr. Klaus Werner kurz darauf aus seiner Position als Leiter der Galerie arcade in Berlin entlassen wird).

Dr. Klaus Werner schreibt ueber die Pleinairs: '... Es gab noch nicht die Pleinairroutine ... Die meisten waren in einem Alter, wo der Fortgang des Oevres noch auf Massnahmen beruhte, auf solidarischen Ideen, kollektiven Taetigkeiten... Natuerlich legten wir Wert auf Kulisse... Aber Landschaft war nur Angebot, Hintergrund oder Medium. ... So gab es regelmaessig innerhalb eines Pleinairs die Sektion der eigentlichen Pleinairisten, der Staffelei-Maler, die fruehmorgens auszogen und abends unter der Last der Sonne und der mit Farbe bedeckten Leinwaende gebeugt einliefen, jener also, die das Erbe Turners, der Barbizonisten ernst nahmen. Und es gab Konzeptionisten und Plaenemacher, Waldbarbeiter, aus-dem-Auto-heraus Zeichner, Selbstdarsteller. Der leicht ironische Wettbewerb zwischen - Malern - und - Kuenstlern - war der beliebteste Gespraechsstoff der Pleinairs. Die Hauptaufgabe der Organisation bestand im Grunde darin, dass von beiden Spezies genuegend und genuegend gute Protagonisten zugegen waren...'

Dr. Klaus Werner unterstuetzt Gunar Barthel in den Anfangsjahren, es gibt Zusammenarbeit bei verschiedenen Projekten, Pleinairs, Katalogen, bei den beiden grossen Fotografieausstellungen (beide in Kooperation mit der Galerie Mitte Dresden, Galerieleiterin Gabriele Muschter, 1984 und 1986).

1982
HARTWIG EBERSBACH, Gunar Barthel realisiert die erste kommerzielle Ausstellung, waehrend der Ausstellung  performance + Musikaktion- missa nigra - mit Friedrich Schenker und der Gruppe Neue Musik (Gunar Barthel erwirbt 'Selbstbildnis' von H.Ebersbach).

Der Tod des Einzelnen - Musikstueck und Aktion mit Burkhardt Glaetzner und Hartwig Ebersbach (aus: missa nigra - Gesamtkunstwerk Friedrich Schenker und Hartwig Ebersbach)

Seit 1982
unternimmt Gunar Barthel mehrere Atelierbesuche bei HERMANN GLOECKNER im Kuenstlerhaus in der Pillnitzer-Landstrasse (erwirbt Arbeiten von HG).

Gunar Barthel realisiert die erste Editon von CARLFRIEDRICH CLAUS für die galerie oben 'Konjuktionen - Einheit und Kampf der Gegensaetze in Landschaft, bezogen auf das kommunistische Zukunftsproblem Naturalisierung des Menschen, Humanisierung der Natur', Serigrafie nach der gleichnamigen Zeichnung Z 459, Auflage ca. 60 Ex. (das Transparentpapier wurde von Dr. Girardet aus West-Berlin organisiert).

Tobias Tetzner arbeitet im Institut 'Manfred von Ardenne' Dresden, bis 1984 als Spezialmechaniker fuer Vakuumtechnik (Elektronenstrahlroehre u.a.), Totalverweigerung des Grundwehrdienstes bei der NVA (Nationale Volksarmee der DDR)

1983
Gunar Barthel wird in der Folge der Kunstaktion - Kunst als Produktivkraft - mit HJ Schulze und des Kuenstlerfestes '10 Jahre galerie oben' in Adelsberg vom Stadtrat für Kultur(Uschpilkat) in das Rathaus von Karl-Marx-Stadt zitiert, dort wird ihm seine Entlassung mitgeteilt.

'Am 5.10.83 ....BARTHEL wurde nun endgueltig aus seiner Funktion entlassen....Das Auftreten von MORGNER und RANFT verfolgte den Zweck, die Entscheidung rueckgaengig zu machen, bzw. 'strafmildernde Umstaende'  in die Diskussion einzubringen. BARTHEL wurden im Ueberleitungsvertrag Funktionen in den Gedenkstaetten, im Buero Bildende Kunst und in der Stadt- und Bezirksbibliothek angeboten...' (aus: Bericht von IM - Frank Beyer - vom 6.10.83) ' ... BARTHEL hat mit Dr. Werner in Berlin telefoniert. Dr. (Klaus) Werner hatte zu diesem Zeitpunkt ....einen Brief geschrieben, in dem er seine Fotoausstellung für den 19.10.83 wegen der Disziplinarmaßnahme zurückzieht ... Waehrend des Gespraechs bei BARTHEL am Donnerstag kam STEFFEN VOLMER vorbei ... und uebergab BARTHEL eine Anschrift. Es muß sich hierbei um einen Bekannten der Familie VOLMER handeln... Dieses Beispiel der Solidarisierung mit BARTHEL ... macht für mich sichtbar, daß VOLMER immer staerker herangezogen wird...' (Bandabschrift, IM - Frank Koerner, v. 14.10.83) '... BARTHEL ... wird auf jeden Fall in eine zweitrangige Position gesetzt. Seine Mutter, die jetzt als Verkaeuferin in der Galerie arbeitet, soll pro forma die Galerie leiten...Tatsaechlich wird er die Galerie weiterfuehren, ohne als Person in Erscheinung zu treten. Es sei aber nicht sicher, daß diese Vorstellung aufgeht. ... Am 18.10.83 ... traf ich auf Hanna Reichel (die Siebdruckerin der Galerie) ... Sie bezeichnet es als einen Schachzug der Stasi, um einen unliebsamen Mann wie BARTHEL auszuschalten. ...' (Bandabschrift IM - Sebastian - v. 19.10.83) ' ....Als Begruendung wurde angegeben, daß Barthel sowohl in dienstlicher als auch privater Hinsicht zu viele Fehltritte geleistet habe. Darueber habe im Rathaus eine ganze Liste vorgelegen. Als Beispiel sei er mehrfach wegen zu lauter Musik in seiner Wohnung gewarnt worden... Als weiteres wurde der Kuenstlertreff (gemeint ist der Kuensterlclub MARTA) angefuehrt, bei dem groeßere Maengel bezueglich der Anmeldung festgestellt wurden. ... Die dem BARTHEL angebotenen Stellen, wie z.b. stellvertretender Leiter des Museums am Theaterplatz u.ae. lehnte er in ueberheblicher Art und Weise ab....' (aus: Bericht v. 27.10.83, IM ?)

Renate Barthel in der galerie oben, Herbst 1984

'Am 16.11.83 teilte Barthel mir mit: Ich bin zwar nicht mehr Galerieleiter, sondern kuenstlerisch wissenschaftlicher Mitarbeiter, aber die Arbeit mache ich wie vorher. Einen Galerieleiter gibt es nicht mehr. Ich hatte den Eindruck, daß er seinen Erfolg richtig auskostet ... In einem Gespraech mit ? sagte dieser, wir brauchen da nichts weiter machen, der Barthel wird sich in einem halben Jahr schon das Genick brechen....'  (aus Bericht IM - FM - v. 23.11.83)

MICHAEL MORGNER schreibt in einem Brief an Willi Sitte, Praesident des Verbandes Bildernder Kuenstler der DDR 'Herr Barthel hat in den 4 Jahren seiner Taetigkeit viel mehr als seine Arbeit getan, er hat praktisch für die Galerie gelebt, das werden Ihnen die vielen Kuenstler, die in dieser Zeit bei uns ausgestellt haben, bestaetigen koennen...Ich bitte Sie deshalb, einige besaenftigende Worte mit den zustaendigen Stellen in Karl-Marx-Stadt zu sprechen' (Quelle Archiv Renate Barthel).


Gunar Barthel in Aktion, 1983

1984
zusammen mit der Galerie Mitte Dresden (Gabriele Muschter) Ausstellung 'Kuenstler fotografieren - fotografierte Kuenstler' (Konzeption Dr. Klaus Werner).

Gunar Barthel organisiert seine erste Ausstellung mit MICHAEL MORGNER + Katalog (Texte Dr. Klaus Werner + Gunar Barthel).

Dr. Klaus Werner schreibt im Katalog zu der Aktion 'M. ueberschreitet des See bei Gallenthin' (+Mappe mit 5 ueberzeichneten Serigrafien) 'Sein moderner Pessimismus ist dabei nicht der gespielte exitus...Am Schopf zieht er sich selbst heraus...  Die grafischen Blaetter der Folge... entstanden nach Standbildern einer Videoaufnahme im September 1981. Der See war ein ca. 400 Quadratmeter grosser Teich oestlich der Strasse von Bad Kleinen nach Gallenthin. Hartes kopieren verschiedener Zwischenaufnahmen auf Spezialfilm ergaben die Vorlagen für den Siebdruck. Spaeter ueberzeichnete MORGNER die Drucke mit Lavagen (abgestrahlte Tuschpinselzeichnungen), um die obsessionellen Signale seiner Aktion zu verstaerken... Nach dem Tape 'Achtung Aufnahme'  vom 1. 2. 1980 (EP-Galerie Berlin)  und vor der Veranstaltungsaufzeichnung von Ichs Apokalyptus mit W. Th. Roesler, H. Ebersbach, H. J. Schulze vom 16. 3. 1982 (Klubhaus der Gewerkschaften, Leipzig) war es die zweite Videoarbeit, die ein Kuenstler der DDR gestaltet hat.'

'MORGNER sucht einfachste Formen und Formeln für Existenz. Dies geschieht selbst auf die Gefahr (oder den Gewinn), daß Spuren zur sichtbaren Realitaet verwischt werden ... Expandierende grafische Zeichen werden erfunden, beunruhigende Dunkelzonen beanspruchen Flaechen, in die strenge, auf ihr grafisches Koepergeruest reduzierte Figuren eingelagert sind. Bedrohung und Behauptung koennten die allgemeinsten Schluesselwoerter heißen... schon die Buhnen als fruehe Anzeichen für Widerstand, die Artisten, die nicht abgesichert den Balanceakt wagen. Der Schreitende ist das ...kraftvollste Zeichen des sich-Behauptens.' (Gunar Barthel aus dem Katalogtext).

Tobias Tetzner gruendet mit Freunden die experimentellen Musik-Bands: Haus-Musik + Mescalito + B.I.G. (Bruehlsche Improvisationsgemeinschaft), zahlreiche Auftritte in der DDR, 1990 Produktion einer LP mit Mescalito und einer CD (vom ersten 'West-Geld' finanziert, Cover von  GREGOR-TORSTEN KOZIK)

Tobias Tetzner lernt KLAUS HAEHNER-SPRINGMUEHL und ERICH-WOLFGANG HARTZSCH bei einer Performance in der Studentengemeinde Karl-Marx-Stadt kennen, spaeter gemeinsame Performances (z.B. 1987 in der galerie oben, 1988 in der Kreuz-Kirche Karl-Marx-Stadt, 1991 Bremen Fotoforum, 1992 Wrozlaw Osteuropaeisches Fotoforum), lernt CARLFRIEDRICH CLAUS kennen.

1985
LUTZ DAMMBECK Herakles Projekt, Rauminstallation+Performance FINE


Im Herbst 1985 verdichten sich die Anzeichen, daß Gunar Barthel erneut entfernt werden soll.  Spaeter erfaehrt er  'Ziel ist die - Verdraengung des Verdaechtigen aus der Leitung der galerie oben und weitere Einschraenkung seiner feindlich negativen Taetigkeit.... Die Mutter des Barthel arbeitet in der galerie oben... Der Vater der B. wurde 1953 zu 4 Jahren Haft (Hetze) verurteilt...Die Barthel lehnte die inoffizielle Mitarbeit mit dem MfS ab... Barthel informiert sich ausnahmslos durch Massenmedien der BRD. Er sympatisiert mit den konterrevolutionaeren Haltungen solche Feinde der DDR wie Wolf Biermann, Rainer Kunze und Rudolf Bahro. B. beschaeftigt sich mit Bahros - Kritik am realen Sozialismus - und erkannte deren Inhalt in ihrer Grundaussage als richtig an. ... B, war im Besitz antisozialistischer Literatur des Dissidenten Alexander SOLSCHENYZIN 'Krebsstation' und 'Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitzsch' (aus Auskunftsbericht der Abt. XX.7 vom 22.8.1985)

1986
Tobias Tetzner wird von der galerie oben angestellt (ab April 1989 Geschaeftsfuehrer, 1992 Liquidation der galerie oben eGmbH durch den Vorstandsvorsitzenden Uwe Bullmann).

Tobias Tetzner ist Mitbegruender des ersten Jazzclubs 'Fuchsbau' und des ersten Nachtcafes in der Kreuz-Kirche als Treffpunkt fuer Andersdenkende mit Lesungen und Performances (u.a. Auftritte der Kartoffelschaelmaschine mit KLAUS HAEHNER-SPRINGMUEHL und ERICH-WOLFGANG HARTZSCH) in Karl-Marx-Stadt, Mitarbeit in der AG 'Offene Kirche'.

Tobias Tetzner ist Mitorganisator des jaehrlichen 'Sommer-Fest' in der Kreuz Kirche Karl-Marx-Stadt, u.a. Auffuehrungen wie der Performance von KLAUS HAEHNER-SPRINGMUEHL 'Stuhl zersaegen' und die ersten Ausstellungen von OLAF und CARSTEN NICOLAI.

Gunar Barthel zeigt seine erste Ausstellung mit MAX UHLIG (mit Katalog, Text von Dr. Werner Schmidt).


Nach Vorlage der bisherigen Publikationen, u.a. zu GERHARD ALTENBURG, CARLFRIEDRICH CLAUS, KLAUS HAEHNER-SPRINGMUEHL, Horst Sagert, STRAWALDE, GREGOR-TORSTEN SCHADE, MICHAEL MORGNER, CLAUS WEIDENSDORFER wird Gunar Barthel in den Verband Bildender Kuenstler als Kunstwissenschaftler aufgenommen (mit wesentlicher Unterstuetzung von Dr. Klaus Werner, ehemaliger Leiter der Galerie Arcade in Ost-Berlin, jetzt freischaffender Kunsthistoriker, und Dr. Werner Schmidt, Direktor des Kupferstichkabinetts Dresden).

'Junge Fotografen der achtziger Jahre', Katalog zus. mit Galerie Mitte, Dresden (mit VA, beigelegte Fotografien, Texte Dr. Klaus Werner, Gabriele Muschter und Statements verschiedener Fotografen der DDR).

1987
Ausstellung von KLAUS HAEHNER-SPRINGMUEHL mit Katalog (Text: Gunar Barthel)

Titelseite des 1. Kataloges zu KLAUS HAEHNER-SPRINGMUEHL

'HAEHNER-SPRINGMUEHL ist jedes Mittel recht, weil ihm alles Kunst ist... es ist eine Haltung, die ohne Ruecksichten auf Vorsichten agiert...er sendet sehr absichtliche Signale gegen gesaeuberte Kunstausuebung....der Hang zum Gesamtkunstwerk bestimmt eine Kunst-Haltung, die sich nicht scheut, Erlebtes vor Erdachtes zu setzen, die den Abstand zwischen Kunst und Leben so gering wie moeglich halten will und die Sprache so einfach und - unkuenstlerisch - wie moeglich... Das ist ein Angriff von zwei Seiten: auf unser Sehen und auf unser Denken....mitunter bis zur abstossenden Faktizität vorangetrieben....Die Art, sich spielerisch-ernst zwischen Wirklichkeit und Inszenierung  zu bewegen ....hat HAEHNER-SPRINGMUEHL zum Anreger für zahlreiche juengere Kuenstler werden lassen.' (Gunar Barthel aus Katalog, Masse 80 kg, 1987)

Performance von KLAUS HAEHNER-SPRINGMUEHL (14.01.87) - Vortrag des politischen Jugendliedes 'Unsere Heimat' als Musikschleife mit Gitte Haehner-Springmuehl, Frank Rassbach, Silke Dikomey, Tobias Tetzner

Gunar Barthel schreibt einen Text zu CARLFRIEDRICH CLAUS für die X. Kunstausstellung,Dresden (3.10.1987-3.4.1988).

Am 3.10. (heute Nationalfeiertag) wird Gunar Barthel aus der DDR abgeschoben. Er geht zu Verwandten nach Bremen, lernt Wolfgang Stemmer kennen (Direktor des Museum für Fotografie und Zeitkunst Bremen, Boettcherstraße und des Fotoforums Fedelhoeren), lernt Uwe Michael kennen (Galerie und Kunsthandel Michael). Beide unterstuetzen Gunar Barthel maßgeblich.

STEFFEN VOLMER und KLAUS SUESS kuemmern sich um den von Gunar Barthel in der DDR zurueckgelassenen Hausrat und die Kunstwerke (über 1 Jahr spaeter gelangen diese auch tatsaechlich nach Bremen)

1988
In Bremen kann Gunar Barthel Ausstellungen für Galerien und Museen realisieren, u.a. von Piero Dorazio, Gisele Freund, Florian Koehler, Helge Leiberg, Guenther Uecker, Weegee.


Mitarbeit an dem Buch 'Stationen eines Weges - Dokumentation zur Kunst und Kunstpolitik der DDR 1945-1988', Nishen-Verlag, 1988, hrsg. von Eckart Gillen.

auf der Rueckseite des Buches Abbildung Aktion 'Baumbesteigung auf der Strandpromenade', Ruegen 1980, Foto: R.R.WASSE, v.l.n.r. RANFT, SCHADE, MORGNER, Biedermann.

Gunar Barthel schreibt Biographien, Artikel, Pressetexte, arbeitet mit an Publikationen zur Kunst in der DDR (Texte u.a. über die Galerie eigen+art in Leipzig, über Andreas Feininger, Giselle Freund, Franz Radziwill, Thomas Niggl, Florian Koehler, Helge Leiberg, Piero Dorazio, Guenther, Ueucker, die Gruppe ZEN 49, KLAUS HAEHNER-SPRINGMUEHL + RALF-RAINER WASSE in: 'Niemandsland' Jahrgang 2/1988, hrsg.v. Eckhart Gillen).

Durch Vermittlung eines Jugendfreundes erhaelt Gunar Barthel das Angebot, in einen alten, bereits seit ca. 25 Jahre laufenden  Mietvertrag über eine Ladengalerie in der Fasanenstrasse - im Kunstzentrum des alten West-Berlin - einzusteigen (Sept. 1989 Gruendung der galerie fasanenstrasse 12 GmbH mit 3 Partnern (zur Einstiegsfinanzierung verkauft Gunar Barthel Teile seiner Moebel- und Kunstsammlung).

1989
Am 20.10.1989  wird die erste Ausstellung in der galerie fasanenstrasse 12 mit einer Retrospektive der Kuenstlergruppe KOLLEKTIV HERZOGSTRASSE 1976-1981, Muenchen, eroeffnet (Eröffnung durch Ottmar Bergmann, Berlin). Es kommen HELMUT STURM, THOMAS NIGGL, HEIKO HERRMANN, DIRI, HANS-MATTHAEUS BACHMAYER. Es werden zahlreiche Werke verkauft. Waehrend der Ausstellung findet am 23.10.1989 ein Werkstattgespraech zu
kollektiven Arbeitsweisen unter Leitung von Ottmar Bergmann mit den Kuenstlern statt (Tonband-Mitschnitt Archiv Renate Barthel).

Gunar Barthel fuehrt ein neues Faltblatt Prinzip ein (Einladung, Informationsfaltblatt und Plakat in einem, Einzel- und Gruppenbiographien + Textauszuege aus verschiedenen Katalogen).

Faltblatt der 1.Ausstellung, 20.10. - 28.11.1989, Abb. 'Mode hos Jeanette (Drakabygget), 1976/77, Mischtechnik auf Leinwand (eines der kollektiven Hauptwerke der Kuenstlergruppe KOLLEKTIV HERZOGSTRASSE, entstanden in Drakabygget, Suedschweden, im Atelier von Joergen Nash, dem Bruder von Asger Jorn - Gruendungsmitglied der Gruppe COBRA). 

Noch waehrend der ersten Ausstellung demonstrieren am Abend des 9. November die Ostberliner (GB erlebt die Grenzoeffnung zunaechst am S-Bahnhof Friedrichstrasse, spaetnachts am Grenzuebergang Prinzenstrasse). Am 10. 11. (und in den folgenden Tagen) besuchen zahlreiche Freunde und Kuenstler aus der DDR die galerie fasanenstrasse, (Gunar Barthel darf - als Ausgebuergerter - erst Weihnachten 1989 wieder in die DDR einreisen).

Als zweite Ausstellung folgt: 11.12.89 - 09.01.90 JOSEPH BEUYS (Gunar Barthel lernt viele westdeutsche Sammler kennen; aus der Ausstellung wird ein Großteil der Werke verkauft, u.a. erwirbt Dr. Salzmann für die Kunsthalle Bremen eine groessere Werkgruppe).


Nach dem Mauerfall Wiedersehen von Gunar Barthel und Tobias Tetzner nach Gunar Barthels Ausreise 1987

1990
seit 1.1.1990 Umbenennung in GALERIE GUNAR BARTHEL BERLIN.

3. Ausstellung: Kuenstler aus Dresden  (u.a. AR PENCK, MAX UHLIG, HERMANN GLOECKNER, EBERHARD GOESCHEL, Willy Wolff) . Die New Yorker Sammlerin und Kunstberaterin Celia Ascher kauft 3 Werke von HERMANN GLOECKNER (fuer die Rickless Collection, Los Angeles deren Werke sich u.a. im MOMA (Museum of  Modern Art) und im Louisiana Museum Kopenhagen, Humlebaek, befinden).

Kooperation von Gunar Barthel und Tobias Tetzner bei auswaertigen Ausstellungsprojekten, Kunstmessen (Doppelstaende), Katalogprojekten, einige Kuenstler werden von beiden Galeristen betreut.

im Februar 1990 wird die erste Ausstellung westdeutscher Kuenstler in der Wende-Zeit gezeigt: KOLLEKTIV HERZOGSTRASSE in der galerie oben (Eroeffnung durch Gunar Barthel).


In der Wendezeit erwirbt Gunar Barthel aus ost-und westdeutschen Sammlungen Werke der DDR-Kunst
und Archivmaterial für die Galerie (u.a. von GERHARD ALTENBOURG, CARLFRIEDRICH CLAUS, HERMANN GLOECKNER und AR PENCK).

A.R. PENCK, o.T., 1976, Latex auf Leinwand, 100,5 x 114,5 cm (Provinienz Privatsammlung Ost-Berlin).

im September erste Messebeteiligung: die Frankfurter Buchmesse (mit Jens Henkel)

v.l.n.r. Tetzner, Barthel, Henkel, Frankfurter Buchmesse 1990

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